Wie prägen unterschiedliche Akteure den Diskurs über Geflüchtete, im Zeichen des Großbrands in Moria am 08.09.2020?

Von Anna Haas, Felix Seinsche und Verena Siebler


1.Hinleitung zur Forschungsfrage

Das Jahr 2020 wird der deutschen Gesellschaft aus vielen Gründen in Erinnerung bleiben. Neben der alltagspräsenten Corona-Pandemie konnte im März ein trauriger Meilenstein erreicht werden: Seit 2014 sind über 20.000 Geflüchtete bei dem Versuch verunglückt, das Mittelmeer in Booten zu überqueren (ZEIT 2020). Dennoch ist das Thema Flucht & Migration unterrepräsentiert – in Politik und Medien.

Als am 08.09.2020 in Moria die Zelte brennen, rückt das Lager beinahe plötzlich in das Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Moria befindet sich auf der griechischen Insel Lesbos an den europäischen Außengrenzen und war als Auffanglager mit ca. 12.700 Bewohnenden mehrfach in den Medien. Erstmals medienpräsent wurde das Lager durch den Beginn der Covid-19 Pandemie, da die hygienischen Mängel sowie der fehlende Platz im für 2.800 Menschen konzipierten Camp als hohe Risikofaktoren für die Menschen vor Ort eingeschätzt wurden (DW 2020). Über die „unwürdigsten Bedingungen“ im Lager soll an anderer Stelle berichtet werden. Wer den Brand verursachte, ist bisher unklar. Als mögliche Intention wurde das Erzwingen einer Evakuierung durch Geflüchtete genannt (Arps 2020). Auch die griechische Regierung spricht von einer Brandstiftung durch Geflüchtete. Rechte Gruppen und Inselbewohnende kommen allerdings ebenfalls mindestens als Mitwirkende in Frage.                    

Die Katastrophe sorgte für Protestaktionen in vielen EU-Mitgliedsstaaten und reanimierte den öffentlichen Diskurs über Flucht & Migration, besonders Camps. Das Brandereignis wird dabei von verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen geprägt. Mittel können dafür vielfältig sein – ob Bundestagsrede oder Spendenkampagne in Deutschland, der Auftritt in Talkshows oder Interviews, das Verfassen von Zeitungsartikeln oder Fernsehbeiträgen. Über diverse Mittel der Medien kann den Diskursbeteiligten eine Bühne für ihre Stimme gegeben werden, auf der sie je nach Popularität und Wirkungskraft mehr oder weniger Menschen beeinflussen können: Sprache ist dann nicht belanglos, sondern kann mit Hilfe von Worten, Metaphern oder Rhetorik den Diskurs gezielt beeinflussen.

Wie ist es bei dem Brandereignis von Moria? Wie wird der Geflüchteten-Diskurs durch verschiedene Akteure im Kontext des Großbrands in Moria am 08.09.2020 unterschiedlich geprägt? Mit den von uns ausgewählten Videos wollen wir die Bühne untersuchen, auf der unterschiedliche Akteure das Brandereignis nutzen, um den generellen Diskurs über Geflüchtete zu prägen oder das Ereignis instrumentalisieren.

2. Forschungsstand

Unsere Forschung verortet sich in einem Komplex aus Camp-Literatur sowie kritischer Diskursanalyse in den IB und Poststrukturalismus. Die aktuelle Forschungs- und Studienlage über Flucht und Migration in Griechenland, insbesondere dem Geflüchteten-Lager Moria und dem Brandereignis weist noch einige Lücken auf. Zwar existieren einige Studien über die prekären Zustände in Moria, diese beziehen sich aber selten auf das Brandereignis. Aktuelle Studien beschäftigen sich eher mit gesundheitlich, sanitär und medizinisch mangelhaften Zuständen im Lager (z.B. Episkopou et al. 2019; Joseph et al. 2020;) oder anderer Problemsituationen vor Ort, wie sexualisierter Gewalt (Belanteri et al. 2020). So beschäftigte sich eine aktuelle Studie von 2020 mit dem Zusammenhang akuter mentaler gesundheitlicher Probleme und der Aufenthaltsdauer im Lager. Bei einer Mindestaufenthaltsdauer von 71 Tagen konnte eine positive Korrelation festgestellt, eine direkte Kausalität jedoch nicht identifiziert werden (Van de Wiel et al. 2020). Zudem haben sich viele Studien 2020 mit den höchst problematischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie im Lager beschäftigt (vgl. Raju & Ayeb-Karlsson 2020; Tucker Gilman et al. 2020; Dahl Vonen et al. 2020).

Unabhängig von Moria und Griechenland gibt es nur wenige Studien, die mit Hilfe der kritischen Diskursanalyse den Mediendiskurs über Flucht und Migration an europäischen Außengrenzen analysieren. Es gibt allerdings viel Material über „Mainstream-Medien“ wie Zeitungen. Unter anderem Majid KhosraviNik untersuchte im Jahr 2010 mit Hilfe der kritischen Diskursanalyse die Repräsentation von Geflüchteten, Asylsuchenden und Immigrant*innen in britischen Zeitungen. Außerdem erkannte er die Anwendung von Kollektivierungsstrategien wie Generalisierung in diesem Zusammenhang und merkte an, dass Geflüchtete häufig funktionalisiert und “entmenschlicht” werden (KosraviNik 2010).

Der Geflüchteten-Diskurs in Großbritannien und Deutschland wurde besonders ab 2015 analysiert, nachdem beispielsweise terroristische Attacken in Paris stattfanden oder sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht von Köln registriert wurden (z.B. Berry et al. 2016; Fotopoulos & Kaimaklioti 2016; Georgiou & Zaborowski 2017). Die Narrative Humanität und Bedrohung wurden für fünf europäische Staaten als in den Medien zentral nachgewiesen (Berry et al. 2016). In Deutschland addierten sich dazu vor allem Sicherheit, Geschlechterbeziehungen und –rollen sowie ökonomische Aspekte (Holzberg et al. 2018). Insgesamt haben Forschende einen polarisierenden Diskurs identifizieren können, der sich vor allem auf die Aspekte Humanität und Protektionismus bezieht (Moore et al. 2018). Ein paar Studien haben sich gezielt mit der Repräsentation von Geflüchteten in sozialen Medien beschäftigt. Hier sind ähnliche Framing- Strategien aufgetaucht (Yantseva 2020; Nerghes & Lee 2019; Pöyhtäri et al. 2019). Auf Twitter zum Beispiel sind EU-Beteiligung, Menschenwürde, Sicherheit und Rassismus der extrem Rechten zu beobachten (Siapera et al. 2018). In Bezug auf mediale Berichterstattung in Griechenland ist die Studie von Fotopoulus et al. zu nennen, die bekannte Printmedien in Deutschland, Großbritannien und Griechenland miteinander vergleicht. Die Medienberichterstattung über Flucht und Migration differiert in den verglichenen Ländern stark und bezieht sich demnach vor allem auf quantitative Daten wie Wirtschaftspolitik (Fotopoulus et al. 2016).

In unserer Studie wollen wir weniger quantitative Daten analysieren, sondern einige wenige Akteure mit Hilfe von Videomaterial intensiv beleuchten. Um das Videomaterial zu analysieren, wollen wir die kritische Diskursanalyse verwenden. Zudem wollen wir nicht die mediale Berichterstattung analysieren, da auf diesem Feld bereits viele Studien existieren. Eine spezifische Studie über das Brandereignis in Moria aus einer kritisch diskursanalytischen Perspektive existiert bisher nach unserem besten Wissen nicht. Zudem ist es innovativ, visuelle Quellen als Grundlage für eine kritische Diskursanalyse zu nehmen, da sich diese typischerweise auf andere Textmedien bezieht.

3. Methodik und Daten

Bewusst haben wir für unsere Forschung das Medium „Video“ ausgewählt, weil Emotionen und direkte Reaktionen von gefilmten Personen in Videos besser zur Geltung kommen, als in einem Schriftdokument. Außerdem enthalten Video-Quellen zumeist deutlich mehr Originalzitate, als andere Methoden der Berichterstattung wie Zeitungen. Das eher “ungefilterte” Medium ist besser vergleichbar mit Quellen wie Twitter oder Facebook. Bei den zu untersuchenden Akteuren handelt es sich um die Geflüchteten aus dem Lager Moria, Aktivist*innen, insbesondere von Nicht Regierungs-Organisationen (NGOs) sowie Politiker*innen unterschiedlicher Parteien des Deutschen Bundestags. Um die Videos zu analysieren, wollen wir eine kritische Diskursanalyse durchführen.

3.1. Kritische Diskursanalyse

Die kritische Diskursanalyse ist ein Ansatz, der Machtgefüge, die aus alltäglichen Diskursen entstehen, offenzulegen versucht (Jäger 2015: 38). Die Methodik ermöglicht einen kritischen Blickwinkel auf bestehende Machtgefüge, wodurch sowohl Sprach- als auch Gesellschaftskritik betrieben werden können (Jäger/Jäger 2007: 20, 37). Dafür zentral ist die

„Sichtbarmachung der ideologischen Effekte und der Funktion von Diskursen“ (Herschinger & Renner (2014): Diskursforschung in den IB, S. 4), um die Macht der Sprache aufzuzeigen und auf Basis dieser Analyse Möglichkeiten für die Änderung bestehender Machtverhältnisse herauszufiltern.

Doch was sind Diskurse? Die Definitionen diesbezüglich gehen weit auseinander. Für die Zwecke dieser Arbeit ist die 1970 von Foucault initial geprägte Definition1 grundlegend. Diese weist dem Diskurs als sprachliche und kommunikative Erscheinung kollektives, handlungsleitendes und die soziale Realität einordnendes Wissen zu (Zambrano 2015: 20). Besonders entscheidend ist eine gesellschaftliche Verknüpfung mit der pragmatischen, also sprachlich handelnden Funktion von Diskursen. Dies beinhaltet die These, Diskurse seien

„Stimuli“, also Auslöser „für gesellschaftliche Veränderungen“ (Zambrano 2015: 24). Nach Wodak et al. ist ein Diskurs eine alltägliche und kommunikative „Form sozialer Praxis“ (Wodak et al. 1998: 42). Dabei existiert eine Wechselwirkung: Einerseits beeinflusst ein Diskurs die gesellschaftliche Wirklichkeit, andererseits wird er von situativen, institutionell und sozial unterschiedlichen Kontexten geprägt: „Diskurse sind sozial determiniert und Diskurse konstituieren die Welt, so wie wir sie wahrnehmen.“ (Zambrano 2015: 13).

In der Forschung der Internationalen Beziehungen verortet sich die Diskurstheorie vor allem im Poststrukturalismus. So wird, ähnlich wie bei Wodak, ein konstitutives Grundverständnis von Sprache angenommen (Herschinger & Renner 2014: 8). Schon DERRIDA verwies 1976 darauf hin, dass Sprache instabil sei (Herschinger & Renner 2014: 8f.). Damit ist gemeint, dass die Bedeutung von Sprache sich ständig verändern kann, abhängig zum Beispiel vom gegebenen Kontext oder den diversen, möglichen Variationen der Verbindung eines Wortes zu anderen Wörtern. Entscheidend ist hier die Möglichkeit der Interpretation einzelner Wörter, also von Sprache. Wer die Interpretation von Sprache zu seinen Zwecken beeinflussen kann, besitzt Macht (Herschinger & Renner 2014: 9). Diese Macht zeigt sich in der Eigenschaft von Diskursprägung, „Ereignisse auf eine ganz bestimmte Weise verstehbar [zu] machen und so die Wahl von Alternativen [zu] beschränken“ (Herschinger & Renner 2014: 10). Diskurse sind aus poststrukturalistischer Perspektive produktiv, indem sie Subjekte, Objekte oder Praktiken sowie die Beziehungen zwischen ihnen definieren und damit die soziale Realität beeinflussen. Des Weiteren sind Diskurse repressiv, indem sie die soziale Realität maßgeblich konstruieren und damit alternative Sichtweisen verdrängen (Herschinger & Renner 2014: 10). Wodak et al. definieren das Ziel der kritischen Diskursanalyse explizit in der Dekonstruktion von Texten jeglicher Art. Dies geschieht durch die Analyse rhetorischer Hilfsmittel, derer sich den Diskurs prägende Parteien bedienen, um Gruppen von Menschen beispielsweise sprachlich gleichzuschalten oder diskriminierend auszuschließen (Wodak et al. 1998: 44). Akteure können Diskurse auch mit dem Ziel prägen, ungleiche Machtverhältnisse zu etablieren und sichern oder soziale Ungleichheit zu legitimieren und konstituieren (Herschinger & Renner 2014: 4). Um diese Macht über das Zielpublikum auszuüben, sind Diskurse immer in einen gesellschaftspolitischen und -historischen Kontext zu bringen (Zambrano 2015: 32). Der Kontext dieser Forschungsarbeit ist das Brandereignis im Geflüchteten-Camp Moria vom 08.09.2020.

3.2. Framing

In der Literatur herrscht ein heterogenes Begriffsverständnis von Framing. Als Analysewerkzeug wählen wir für uns das Framing-Verständnis nach Goffman aus dem Jahre 1980. Frame bedeutet zunächst “Rahmen”. Goffman geht davon aus, dass Frames in Interaktion entstehen und die Wahrnehmung auf alltägliche Sachverhalte maßgeblich beeinflussen (Goffman 2016). Die Framing-Analyse untersucht, inwieweit Akteure bewusst einen Rahmen um ein Thema setzen, um damit Aufmerksamkeitsströme auf einen gewünschten Teilbereich des Themas zu lenken. Frames sind damit zunächst Deutungsmuster, die durch die Interpretation von Individuen Bedeutung und Sinn erhalten. Gerade Ideologien und Stereotype werden oftmals und leicht durch Frames reproduziert (Herrmann 2019: 2f.). Dem Zuhörer muss eine Manipulation seiner selbst dabei nicht unbedingt bewusst auffallen. Dies macht Frames zu einem machtvollen Sprachinstrument, um Diskurse unterbewusst zu prägen. Einige Autoren sprechen Frames sogar eine Agenda-Setting-Funktion zu (vgl. Wanta et al. 1993). So war es bereits Goffmann ein Anliegen, die Wirkungsweise von Frames offenzulegen, sodass Menschen sie in ihrem Alltag erkennen und sie sich bewusst machen (Goffman 2016).

3.3. Datenauswahl

Aus den vielen Videos, die im Kontext des Brandereignis entstanden sind, haben wir für alle Akteursgruppen möglichst repräsentatives Material herausgefiltert. So wurden insgesamt sechs Videos ausgewählt, von denen zwei der Akteursgruppe „Geflüchtete“, drei der Akteursgruppe „Aktivist*innen“ und eins der Akteursgruppe „Politiker*innen“ zugeordnet werden kann. So ergeben sich insgesamt 10 Individuen, deren Beiträge analysiert werden und die sich gleichmäßig auf die Akteursgruppen aufteilen. Um Vergleichbarkeit herzustellen, haben wir die Länge des gesprochenen Textes pro Akteursgruppe auf etwa 30 Minuten beschränkt. Auch haben wir nur Videomaterial verwendet, das unmittelbar nach dem Brandereignis entstanden ist. Somit konnte ein zusammenhängender Kontext für alle Akteursgruppen gewährleistet werden. Eine detaillierte Begründung über die Auswahl des Materials findet sich im Appendix dieser Forschungsarbeit.

Wir haben ein Analyseraster entwickelt, dass uns bei der Auswahl der Videos half und gleichzeitig erste inhaltliche Analysen ermöglichte. Das Raster besteht im Wesentlichen aus fünf inhaltlichen Hauptkategorien, die wir thematisch in den Videos erwartet haben und bei denen es sich um die Themen Kriminalisierung, Sicherheit, Menschenwürde, die Situation im Camp sowie eventuelle Vorwürfe/Forderungen an die Politik handelt. Unsere Erwartungshaltung orientierte sich dabei an der bestehenden Forschung zu Framing in Medien wie Zeitungen oder sozialen Netzwerken. So wollten wir erfassen und vergleichen, welche Themen tatsächlich angesprochen werden.

Zudem existieren Nebenkategorien. Zu nennen wären hier vor allem Framing und rhetorische Mittel, wie z.B. Metaphorik. Ersteres wurde in Kapitel 3.2 – Framing bereits diskutiert. Mit Hilfe von Framing kann ein Akteur den Aufmerksamkeitsfokus eines Themas durch unterschiedliche Verwendung bestimmter Frames auf eine völlig andere Sache richten. So können Frames maßgeblich den Diskurs prägen, Ideologien und Stereotypen reproduzieren und unterbewusst zur Meinungsbildung beitragen. Metaphorik als eines der rhetorischen Mittel dagegen sollte uns einen ersten Überblick über die Art und Weise der Akteure geben, ihre Standpunkte zu äußern. Eine rhetorisch ansprechende Sprache, so unsere Überlegung, trägt zur Überzeugungskraft der Akteure bei. Metaphorische Sprache zum Beispiel kann ein eher eindrückliches und anschauliches Bild erzeugen und damit eventuell starke Emotionen bei Zuhörenden hervorrufen.

Neben den Hauptkategorien und der stilistischen Analyse ist eine erste inhaltliche Analyse in das Analyseraster integriert worden. Nach unserer Auswertung des Analyserasters empfanden wir es so, dass die größten und übergreifendsten Themen Kriminalisierung, Menschenwürde und Vorwürfe/Forderungen an die Politik sind. An den Themen lässt sich zudem, so unsere Überlegung, die Wirkungskraft von Diskursen aufzeigen. Wir erwarten zum Beispiel, dass das Brandereignis im Zusammenhang mit der Schuldfrage (“Wer hat den Brand gelegt?”) von manchen Akteur*innen zu einer „Kriminalisierung“ von Geflüchteten führen könnte, während andere Akteur*innen den Diskurs diesbezüglich in eine andere Richtung zu lenken versuchen.

Im Anschluss an die erste inhaltliche Analyse mit Hilfe des Analyserasters wurden die Videosequenzen transkribiert, um die Redebeiträge detailliert auf unsere Analyseschwerpunkte zu untersuchen. Ein erster themenübergreifender Schritt stellt die Erstellung einer Word- Bubble dar. Eine Word-Bubble visualisiert den Text. Je häufiger ein Wort im Redebeitrag enthalten ist, desto größer wird das Wort am Ende in der Visualisierung dargestellt. Durch diese Visualisierungen lassen sich die prägnantesten Wörter der einzelnen Texte leicht

erkennen und identifizieren. Dies soll in der Folge bei der Analyse helfen. So werden die Beiträge erstmals und übersichtlich strukturiert und verschriftlicht. Zusätzlich können durch die aufgezeigten Tendenzen in der Wortwahl der einzelnen Akteure erste Aussagen über die Art und Weise des jeweiligen Diskursbeitrags und der Verwendung von Framing durch die Akteur*innen getroffen werden.

3.4. Die diskursive Macht der ausgewählten Akteure – eine Vorüberlegung

Der Politik wird ein persuasiver, also überzeugender Charakter zugesprochen (Wodak 2016: 67). Die Redebeiträge deutscher Politiker*innen aus dem Bundestag vom 11.09.2020 als prägender Teil des politischen Diskurses in Deutschland sollen daher mit Hilfe der kritischen Diskursanalyse sprachlich und inhaltlich in Bezug auf die Forschungsfrage analysiert werden. Politiker*innen prägen den politischen Diskurs in Deutschland entscheidend, indem sie zum Beispiel im Bundestag oder über Medien wie Zeitung, TV-Talkshows oder soziale Medien ihre Standpunkte äußern. Darüber hinaus haben Politiker*innen, so glauben wir, neben anderen Motivationen auch immer die Intention, das Wahlpublikum zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen. Demgegenüber stehen die Beiträge politischer Aktivist*innen, die als weniger stark diskursprägend bezeichnet werden. Dies wird angenommen, da Aktivist*innen zwar politisch wirksam handeln, indem sie zum Beispiel versuchen die öffentliche Wahrnehmung auf Missstände zu lenken, allerdings weniger stark als Politiker*innen in öffentlichen Debatten wie TV-Talkshows auftreten. Geflüchtete treten im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen eher nicht öffentlichkeitswirksam auf, außer es wird über sie berichtet. Berichte in der medialen Realität drängen Geflüchtete jedoch häufiger in eine passive Rolle, als dass sie aktiv als Akteur*innen auftreten (Lünenborg & Maier 2017). Daher können sie nach der für die Forschung grundlegenden Diskurs-Definition als eher machtlos bezeichnet werden. Dennoch prägen auch die ausgewählten Beispiele den öffentlichen Diskurs, denn die Geflüchteten teilen über die frei zugängliche Internetplattform YouTube ihre Lage und Forderungen mit.

Das Interesse für die Forschung ergibt sich daher insgesamt aus der Vorüberlegung, dass die Politiker*innen im deutschen Bundestag den deutschen Diskurs zur Situation auf Lesbos entscheidend prägen, obwohl sie deutlich weniger stark von den Zuständen vor Ort betroffen sind. Geflüchtete sind mit Abstand am stärksten und direktesten betroffen, besitzen durch ihre geringe Medienpräsenz jedoch gleichzeitig die geringste Chance, den Diskurs mitzugestalten. Deshalb ergibt sich folgende Ausgangssituation: Die am wenigsten betroffenen Personen besitzen die höchste, die am stärksten betroffenen Personen die geringste Macht. In

der Folge sollen daher die Aussagen aller Gruppen in den genannten drei Hauptkategorien analysiert werden.

4. Blogbeiträge

Auf Grundlage der von uns ausgewählten Videos (siehe Appendix) folgt in diesem Kapitel eine Analyse dieser in den drei unterschiedlichen Themenblöcken.

4.1. Menschenwürde und Menschenrechte

Auf europäischem Boden unterliegen die Menschen im Geflüchteten-Lager Moria auf der Insel Lesbos ebenso dem Schutz der allgemeinen Grundrechtecharta der Europäischen Union, wie jedes andere Individuum auf europäischem Festland auch. Diese Grundrechte sind dabei einer der Gründe, warum Menschen aus Krisengebieten Schutz innerhalb der EU suchen. Dass eine Debatte um die Menschenwürde und Wahrung der allgemeinen Menschenrechte auf europäischen Boden überhaupt noch entfacht, scheint paradox, ist aber europäische Realität. Diesen Diskurs zu führen ist aber auch wichtig, damit die Situation der Menschen vor Ort nicht in Vergessenheit gerät. Gerade nach dem Brandereignis in Moria, einer humanitären Katastrophe, sind es doch die Individuen selbst und die Humanität, die im Zentrum des Ereignisses stehen. Die von uns erstellten Word-Bubbles erlauben einen ersten Einblick darauf, wie unterschiedliche Akteursgruppen das Thema der Menschenwürde und Menschenrechte in ihren Reaktionen auf den Brand einbinden. Während bei den grünen Politiker*innen Erik Marquardt und Luise Amtsberg auffällig oft das Wort „Menschen“ auftaucht, spricht Dietmar Bartsch (Die Linke) häufiger explizit von „Kindern“, Gottfried Curio (AfD) von (Wirtschafts-)“Migranten“ und „Asylbehauptern“ und Horst Seehofer benutzt geschlagene 9-Mal das Wort „Flüchtling[e]“ und nur 2-Mal das Wort „Mensch[en]“. Curio von der AfD lässt es sich aber nicht nehmen die Terminologien „Feuerteufel von Moria“ und „Sozialempfänger“ zu verwenden.  Demgegenüber  steht  die  Gruppe  der  Aktivist*innen,  hier  stechen  die Worte „Leute“, „people“ und „refugees“ deutlich hervor. Auch bei den Geflüchteten ist die Terminologie „people“ die meist verwendete für die Menschen im Lager vor Ort. Den Fokus auf die Terminologie der Geflüchteten ist im Hinblick auf die Menschenwürde insofern von Bedeutung, als dass wir hierbei auch von MENSCHENwürde sprechen. Eine „Flüchtlingswürde“/ “Migrantenwürde“, gibt es nicht. In der kritischen Diskursanalyse ist diese Begriffsabgrenzung nichts neues. Spricht man von dem „Flüchtling“, werden damit Attribute wie Schutzlosigkeit und Schwäche evoziert. Dadurch wird der/die Geflüchtete in die Rolle   eines    „passiven    Opfers“   gedrängt    und    ihm/ihr    beinahe   jegliche Autonomie abgesprochen: „Sie sind fremd-bestimmt und -gesteuert, ein Spielball der bösen Mächte, der europäischen Regierungen und ihrer Helfer, die ihnen ihre Subjektivität rauben“ (Jobst 2012: 58). Die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg erkennt diesen Twist und greift ihn auf: “Wir alle wissen doch, dass bei jeder anderen Katastrophe dieser Art alles mobilisiert worden wäre, um den Menschen sofort zu helfen. Aber hier geht es um Flüchtlinge […]“. Spricht die AfD von „Migranten“ ist auch das kein Zufall, sondern eine bewusst gewählte Terminologie, in einer zuvor niedergeschriebenen Rede. “Migrant” ist zunächst ein Oberbegriff für zu- und abgewanderte Personen (BpB o.J.), also Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, aber aus unterschiedlichsten Gründen hergekommen sind. Viele von Ihnen besitzen eine deutsche Staatsbürgerschaft. In Verbindung mit den Anschuldigungen auf „Sozialtourismus“ und Illegalität, spricht Dr. Curio diesen Menschen hier ihr Recht auf Asyl (Artikel 18 Europäische Grundrechtscharta) ab. Diese Art von rhetorischem Hilfsmittel ist in der kritischen Diskursanalyse breit bekannt, um Gruppen von Menschen sprachlich gleichzuschalten, zu diskriminieren oder auszuschließen (vgl. Wodak et al. 1998: 44). Die Sprachbarriere macht die Vergleichbarkeit der Videos zunächst schwer. In den englischsprachigen Statements ist dabei oft von „people“ die Rede, was wörtlich übersetzt in etwa „Leute“ bedeutet. Auch Andrea Wegener von der Hilfsorganisation Global Aid Network benutzt den deutschsprachigen Begriff „Leute“. Dieser ist meiner Meinung nach weder positiv noch negativ konnotiert und erlaubt so eine relativ neutrale Berichterstattung. Trotzdem kommt die Begriffsdebatte auch bei weiterer Inhaltsanalyse immer wieder auf. Raed Alabd, ein Geflüchteter aus Syrien, sagt er wolle, dass die Leute in Europa ihn als Menschen respektieren. Ähnliches kommt von Salam Aldeen, einem Aktivisten der Hilfsorganisation Team Humanity: „they deserve to be threatened like humans“. Dass die Menschenwürde und Menschenrechte im Camp Moria teilweise mit Füßen getreten werden, ist kein neuer Vorwurf. In dem Zusammenhang erwähnt Yaser Taheri, ein Geflüchteter: „Its Europe which is always talking about human rights”.

Politiker greifen dieses Thema eher selten auf, da sie wissen, dass Menschenrechtsverletzungen auf europäischem Boden mit unter ihre Schuld sind. Im Bundestag, unmittelbar nach dem Brand, greift nur Dietmar Bartsch (Die Linke) das Thema der Menschenwürde einmalig auf. Er fordert den Menschen auf Lesbos „Sicherheit und Würde zu geben“. Im Bundestag wird das Wort „Würde“ ansonsten kein weiteres Mal in den Mund genommen. Erstaunlich oft in den Mund nimmt Horst Seehofer (CSU) dafür die erste Person Plural: „wir“. Im Mittelpunkt seiner knapp 10-minütigen Hommage an sich selbst und die Bundesregierung, stehen vor allem die bereits erbrachten Hilfeleistungen. Eindrücklich wirft er mit Zahlenbeispielen um sich, vergisst dabei aber die Geflüchteten gänzlich. Eine Framing- Strategie wie aus dem Bilderbuch. 300-400 Flüchtlinge werktäglich, 1.73 Millionen Flüchtlinge insgesamt, 243 behandlungsbedürftige Kinder, 53 Jugendliche, 1000 Personen, 400 weitere Jugendliche hier, 100-150 Jugendliche da, 27 Mitgliedsstaaten, nochmal 243 Kinder, es folgen weitere Wiederholungen. „Ein konkretes Beispiel praktizierter Nächstenliebe“, wie Seehofer selbst sagen würde. Der Aufmerksamkeitsfokus wird dabei bewusst weg von der Notlage der Menschen vor Ort gelenkt, man hat das Gefühl Seehofer nutzt den Schauplatz als Wahlkampf für die nächste Legislaturperiode. Wo Sprache hier gezielt für die eigenen Zwecke instrumentalisiert wird und die Menschlichkeit in den Hintergrund rückt, besteht ein Machtgefälle. Denn, wer die Interpretation von Sprache zu seinen Zwecken beeinflussen kann, besitzt Macht (Herschinger & Renner 2014: 9). Tun wir es ihm gleich, eröffnen sich auch uns Zahlen, die für sich sprechen. Insgesamt 46-mal spricht Seehofer in der ersten Person Plural, „wir“. In keinem einzigen Satz geht es wirklich um die Menschen vor Ort. Die „humanitäre Verantwortung“ beschränkt sich auf monetäre und materielle Hilfsleistungen, sowie auf eine europäische Lösung. Geschlagene zwölf Mal spricht er aber von einer nötigen „Lösung“, aber nicht zum Schutz der Menschenwürde, sondern zu baldigen Errichtung eines neuen Lagers. Dabei spricht er wörtlich vom „Betreiben“ des Flüchtlingscamps. Der wirtschaftspolitische Beigeschmack ist greifbar. Teil dieser sei auch eine „Rückführung von der Außengrenze der Europäischen Union in die Herkunftsländer mit Frontex“. Vor dem Hintergrund jüngst publik gewordener Frontex-files (siehe frontexfiles.eu), eine weniger humanitäre, menschenverachtende und menschenunwürdige Lösung. Auch Gottfried Curio hält den Bezug des eigenen Landes hoch, so ist doch „Deutschland“ das meistgenannte Wort innerhalb seiner Rede. Ansonsten gibt es, wie erwartet, über Menschenwürde und Menschenrechte außerhalb der des deutschen Volkes wenig zu berichten. Linke und Grüne hingegen spenden einen Teil ihrer Redezeit, um auf die menschenunwürdigen Bedingungen  in  Griechenland  hinzuweisen.  So  beklagt  Dietmar  Bartsch  mehrmals  die

„menschenunwürdigen Bedingungen“ und den „menschenrechtlichen Tiefpunkt“, hat es aber, das muss man auch sagen, als Oppositioneller auch leicht mit dem Finger auf die Bundesregierung zu zeigen. Dennoch ist hier immerhin ein Hauch Menschlichkeit zu spüren. Grünen Politikerin Amtsberg beschreibt die von ihrem Kollegen Marquardt geschilderte Situation vor Ort. Seit dem Brand herrschende Obdachlosigkeit, fehlende medizinische Versorgung und Nahrungsmittelknappheit, führen vor Ort zu menschenunwürdigen Bedingungen. Die Insel sei ein „Freiluftgefängnis“. Mit dieser Metaphorik war es ihr leicht möglich ihren Standpunkt zur Sache deutlich und präzise klarzumachen und beim Zuhörer eine Emotion zu erzeugen. Emotionen spielen gerade im Themenfeld der Menschenrechte und Menschenwürde eine entscheidende Rolle. Vor allem Erik Marquardt bedient sich in einem Video-Statement unmittelbar nach dem Brand dieser emotionalen Rhetorik. So schlägt schon einer seiner ersten Sätze beim Zuschauer emotional ein: “Ich bin wütend“. Weiter geht die Metapher-Reihe mit: „Man kann Menschen nicht so schlecht behandeln über Jahre und glauben, dass sie einem mit Blumensträußen begegnen“. Erik Marquardt ist dabei unter allen Akteuren, in seiner Doppelrolle als Politiker und Aktivist, derjenige, der die „Würde“ am häufigsten aufbringt. Er spricht von entwürdigten Menschen und einem gescheiterten europäischen Projekt, das doch eigentlich die Wahrung der Würde jedes einzelnen (Artikel 1 Charta der Grundrechte der EU) zum obersten Ziel habe. Dieser Entwürdigung ein Gesicht gibt Andrea Wegener von der Hilfsorganisation Global Aid Network, die eindrücklich die Zustände im Camp unmittelbar vor dem Brand beschreibt. Sie spricht von knappen Sanitäranlagen, überforderter Kanalisation, Nahrungsmittelknappheit, Perspektivlosigkeit, Psychischen Problemen, Rastlosigkeit, ethnischen Konflikten und mangelndem Wasserzugang. Artikel 2 der Grundrechtecharta verspricht jedem Menschen ein Recht auf Leben. Doch was für ein Leben ist das? Ohne Wasser gibt es kein Leben. Ebenfalls habe jeder Mensch innerhalb der EU, laut Artikel 3, das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Wegners Schilderungen zu körperlichen Konfliktaustragungen und psychischen Problemen der Geflüchteten, stehen diesen Grundrechten konträr gegenüber. Wegner beschreibt hier klare Menschenrechtsverletzungen, die auf europäischen Boden stattfinden. „Moria was a hell. Now it was a burned hell”, konstatiert ein uns unbekannter Flüchtling aus dem BBC-Newsnight Video. “Freiluftgefängnis” sagt Luise Amtsberg und “prison” ist die Bezeichnung von Yaser Taheri für das unter europäischer Flagge geführte Flüchtlingscamp. In Angesicht dessen, dass die EU in ihrer Grundrechtscharta bereits in der Präambel niederlegt, sie wolle ein “Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ für Menschen unabhängig ihrer Herkunft sein, ist das ein Armutszeugnis. Der Geflüchtete Raed Alabd spricht in der Videokonferenz wiederholt über das Thema Duschen. Er sagt er verstehe nicht, warum die Menschen in Europa sich nicht um sie scheren (“they don’t care”), sie hätten doch alles, Häuser, Essen, Duschen und noch mehr. Die Selbstverständlichkeit der Hygiene in Mitteleuropa, wird von Raed mehrmals aufgegriffen. Mangelnde Hygiene in den Camps und eingeschränkter Wasserzugang beklagen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Mitarbeiter*innen der Hilfsorganisationen vor Ort. 2010 hat die UN das Menschenrecht auf Wasser und Hygiene anerkannt. Dieses Menschenrecht wird als eines der fundamentalsten Bedürfnisse im Flüchtlingscamp auf Lesbos schlicht untergraben. Von den Politiker*innen, spricht die Situation niemand an, außer Dietmar

Bartsch: “eingepfercht, ohne Perspektive, ohne Hygiene unter menschenunwürdigen Bedingungen”.

Festzustellen ist, dass die Bühne, die das Brandereignis den Menschen liefert, unterschiedlich genutzt wird, um über die Menschenrechtsverletzungen und die Würde der nun obdachlosen Menschen vor Ort zu sprechen. Während die Schwerpunktsetzung, das verwendete Jargon und die Semantik innerhalb der Geflüchteten-Videos und innerhalb der Aktivist*innen ähnlich ist, gibt es in der Gruppe der Politiker*innen große Unterschiede. Betrachtet man die Klicks der Videos, hat die Bundestagsdebatte mit über 64.000 Klicks die größte mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Videos der Aktivist*innen haben zusammen nur knapp 39.500 Views und die Geflüchteten Interviews stehen mit zusammengenommen ~54.500 Klick am Ende der Reihe. Hier spiegelt sich auch das in der Analyse festgestellte Machtgefälle wider. Vor dem Hintergrund, dass deutlich mehr Menschen die Bundestagsdebatte verfolgten, ist der Einfluss den Redner wie Seehofer und Curio mit ihren Reden generieren, deutlich größer als jenen der Geflüchteten selbst. Die Sprache als Instrument der Macht, und als Macht selbst, konstruiert dabei die wahrgenommene politisch-soziale Wirklichkeit. Diejenigen, die tatsächlich von den menschenunwürdigen Bedingungen vor Ort berichten, Geflüchtete selbst und Freiwillige vor Ort, sind nicht Sprachrohr der Gesellschaft, sie bekommen weniger mediale Aufmerksamkeit. Vielleicht liegt das auch daran, dass man als wohlhabende*r Europäer*in bei den Videos der Geflüchteten und der Aktivist*innen ein schlechtes Gewissen verspürt, Reue und Mitleid empfindet. Bei den Reden des Bundestags hingegen wird sich bei den Bürger*innen bedankt, für die Güte, Menschen aus Kriegsgebieten aufzunehmen, sie nicht einfach ertrinken zu lassen. Es wird voller Hoffnung von einer (nicht existierenden) europäischen Lösung geredet. Bald wird alles besser. Die Hoffnung bei den Geflüchteten selbst jedoch, so hat man das Gefühl, ist verflogen. Manchmal aber bedeutet Menschenwürde nicht mehr als Hoffnung.

„Ein Leben ohne Hoffnung ist nicht menschenwürdig“ (BpB 2020).

4.2. Kriminalisierung

Es ist immer noch unklar, wer für den Brand in Moria verantwortlich gemacht werden kann. Eine direkte Schuld wurde unter anderem von der griechischen Regierung und Polizei sechs Geflüchteten zugewiesen (Tagesschau 2020). Neben dieser Vermutung muss auch nach Wechselbeziehungen der Brandursache geforscht werden. Viele Beteiligte sehen den Brand als logische Folge der menschenunwürdigen Bedingungen in Moria. So könnte, falls von Geflüchteten als Brandstiftenden ausgegangen wird, der Brand ein Mittel für eine zu erzwingende Evakuierung sein (Arps 2020). Indirekte Schuldanteile sind dabei deutlich komplexer, denn hier spielen vielzählige Faktoren eine Rolle, wie die Nicht-Aufnahme von EU-Staaten oder die scheinbare Überfüllung der Lager (DW 2020). Klar ist dagegen, dass der Diskurs über Geflüchtete verschiedene Interessensgruppen anzieht. Wir vermuten, dass einige dieser Gruppen Geflüchtete als Kriminelle darstellen möchten.

Der deutsche Diskurs über Geflüchtete wird seit 2015 zunehmend von der AfD mitgestaltet. Die rechtspopulistische2 Partei nutzt seitdem das Thema der Asylpolitik, um Wahlkampf zu machen (Siri/Lewandowsky 2019: 283). Obwohl Krisen und Probleme durch vielfältige Gründe entstehen, schaffen (populistische) Rechtsparteien wie die AfD dabei einfache Zusammenhänge, auf die ebenso einfache Antworten möglich sind (Wodak 2016: 52). Da der „Populismus […] mehr und mehr ethno-nationalistisch geworden“ (Pelinka in Wodak 2016: 21) ist, werden Geflüchtete zu den Schuldigen und Entscheidungsträger*innen, die als Türöffner fungieren, als Mitschuldige ausgemacht. Geflüchtete würden etwa die homogene Identität der Bevölkerung bedrohen oder seien Hauptursache für Kriminalität und soziale Unsicherheit (Wodak 2016: 46). Mit muslimischen Geflüchteten wird von AfD-Wähler*innen vor allem durch eine Kriminalisierung dieser von Politiker*innen der AfD eine generell hohe Kriminalitätsrate verbunden (Deppisch 2019: 36).

Wie sich Mechanismen von Kriminalisierung äußern können, zeigt Beatrix von Storch (15.09.20), die im Kontext der Brände im Geflüchteten-Lager „Moria“ twitterte, idealtypisch (Von Storch auf Twitter 2020). Ihr Posting behandelt explizit die aufgetretenen Brände in der Nacht vom 08.09. auf den 09.09.20, die sie wie die griechische Regierung als Brandstiftung Asylsuchender definiert. Also unterstellt sie den Geflüchteten, „Brandstifter“ zu sein und klagt alle Entscheidungsträger*innen als Mittäter*innen an, die über eine Aufnahme von Moria- Geflüchteten sprechen würden.

Dieser Meinung ist auch Parteikollege Gottfried Curio (MdB). Nach einer kurzen Referenz auf die AfD-typische Kritik an deutscher Asylpolitik seit 2015 erläutert er in seiner Rede im Bundestag seine Sicht, der Brand in Moria sei von den Bewohnenden „gelegt“ worden. Die Geflüchteten hätten darüber hinaus die „Feuerwehrleute beim Löschen mit Steinen beworfen“ und „bye-bye Moria“ gesungen. Um diese Vorwürfe zu unterstreichen, verwendet   er für die Menschen in Moria diverse Stereotypenzuschreibungen wie „Bootsbetrüger“, „Wirtschaftsmigrant“ oder „Asylbehaupter“. Alle diese Zuschreibungen eint, dass sie den Geflüchteten keinen legitimen Asylanspruch durch verschiedene Fluchtursachen zuweisen, sondern eine Reise aus anderen Beweggründen nach Europa unterstellen. Seiner Argumentation folgend, beschwört der Abgeordnete Angstszenarien: Wenn die Leute aus Moria aufgenommen werden sollten, legen sie auch in Deutschland Brände: „Wollen wir wirklich Leute hier haben, die nächtlich Feuer legen, Rettungskräfte angreifen, Häuser abfackeln?“ So würde die Aufnahme von Geflüchteten in Folge des Brandes, den Curios AfD gänzlich einer kriminellen Energie zuschreibt, ein falsches Signal an die Brandstiftenden senden: „Soll das Schule machen? Und wenn sie dann wieder hier sind, werden dann wieder Asylheime angesteckt, um luxuriöse Unterkünfte zu erzwingen.“ Haltlose Vergleiche, wie einen „Schokopudding“ als Intention für eine vergangene Brandstiftung in einem Geflüchtetenheim in Deutschland sollen seine Überzeugungskraft steigern. Verallgemeinerungen wechseln sich hier mit falschen Interpretationen von Ursache- Wirkungszusammenhängen ab, wenn Curio zum Beispiel vom „Nachzugseffekt“ durch die Aufnahme Geflüchteter spricht – ein Solcher wurde in verschieden Studien jedoch widerlegt (vgl.: Cusumano, Eugenio & Monnet Fellow, Jean 2019; Steinhilper, E. & Gruijters, R. 2017) widerlegt.  Insgesamt  schafft  er  mit  seiner  Rede  ein  Schreckensszenario  vom kriminellen „Flüchtling“, der aus eigenen Beweggründen nach Deutschland will und gierig auf Sozialleistungen schielt. Wenn er diese nicht erhält, setzt er sogar Häuser in Brand. Hinweise auf menschenunwürdige Zustände im Lager, mögliche Brandursachen oder eine emphatische Sichtweise für Menschen in Notzuständen werden bei seiner von Hass und Populismus gekennzeichneten „Rede“ vollständig vermisst. Der Vorwurf „geistiger Brandstiftung“ an linke Politik durch deren Aufnahmebereitschaft muss selbst aus völlig objektiver Perspektive an Curio zurückgegeben werden. So schafft er mit seiner Rede durch Schuldzuweisungen und Stereotypenproduktion  klare  Kanten  zwischen  der  AfD  als  Interessensvertretung „des deutschen Volkes“ und dem Rest deutscher Politik als „Umsiedlungsfanatiker“, womit er das innerdeutsche Konfliktpotenzial erhöht – auch gegenüber Geflüchteten.

Natürlich schlagen andere Politiker*innen in eine andere Kerbe. So steht keine der weiteren analysierten Personen der inhaltlichen Argumentation Curios besonders nahe. Die in dessen Beitrag zentrale Thematik der Brandursache wird von Anderen deutlich weniger stark aufgegriffen. Einzig Luise Amtsberg von den Grünen referiert auf die Möglichkeit, dass Geflüchtete für den Brand mitverantwortlich sein könnten. So spricht sie davon, den Brand vorhergesehen zu haben: „Denn das, was sich in Moria ereignet hat, man kann es nicht anders sagen, das ist eine Katastrophe mit Ansage, völlig vorhersehbar.“ Dies macht sie an den Zuständen fest: „Denn man kann Menschen nicht jahrelang solchen menschenunwürdigen Bedingungen aussetzen, ohne Perspektive und zuletzt auch noch völlig schutzlos vor dem Virus, und sich dann wundern, dass die Situation eskaliert.“ Diese beiden Statements implizieren, dass die Notsituation der Geflüchteten zu einer Brandstiftung geführt haben mag. Ausschlaggebend für die Katastrophe war aber demnach keine kriminelle Energie, sondern Verzweiflung, die ein solches Handeln durch die Vorhersehbarkeit in den Augen der Politikerin sogar entschuldigt. Dementsprechend kann hier nicht von einer Kriminalisierung gesprochen werden. Stattdessen wird den zentralen Akteur*innen der EU und Bundesregierung vorgeworfen, sich falsch zu verhalten: „Der kleinste gemeinsame Nenner lautet, Verantwortung auslagern, einige Staaten allein lassen und wegschauen.“ Das „Freiluftgefängnis“ Moria sei dabei nur eines von vielen. Verbunden mit dem von ihr angesprochenen „Fundament unserer gemeinsamen Werte“, dem „Flüchtlingsschutz“, formuliert die Politikerin somit eine Anklage an die Entscheidungstragenden, die durchaus als Vorwurf der Gesetzesübertretung zu werten ist.

Diesen Vorwurf formuliert deutlich schärfer auch die Linkspartei. Fraktionschef Dietmar Bartsch, der Moria als „Elend“ mit „13.000 Menschen […] ohne Perspektive, ohne Hygiene unter menschenunwürdigen Bedingungen“ beschreibt, sieht Moria als Zeichen europäischer „Schande“. Der Brand im Lager sei Ausdruck des „menschenrechtliche[n] Tiefpunkt[s] unserer Zeit“, während Innenminister Horst Seehofer mit seinem „Verbot“ eine Aufnahme verhindern würde und sich damit gegen die Forderungen diverser „Kommunen, Städte und Länder“ stelle. Daher hindere er diese aktiv daran, den Menschen „Sicherheit und Würde“ zurückzugeben – womit Seehofer als Stellvertreter der Bundesregierung und Hauptverantwortlicher erneut auf der politischen Anklagebank landet.

Dieser wehrt sich gegen solche Vorwürfe vor allem mit einem Verweis auf die Leistungen der Bundesregierung sowie die Problematiken einer gemeinsamen europäischen „Flüchtlingspolitik“. Letzteres fungiert dabei als Ausrede für nicht vorhandene Lösungen, denn andere EU-Staaten seien mindestens mitschuldig. Eine Stellungnahme zu möglichen Brandursachen lässt sich in seinem Beitrag aber nicht finden.

Anders als im politischen Diskurs sprechen Aktivist*innen häufig über die Schuldfrage. So wird Salam Aldeen (Team Humanity) in einem Interview durch direkte Nachfrage zu einer Stellungnahme gebeten. Aldeen nimmt einen anderen Blickwinkel ein, indem er aus der Sichtweise der Geflüchteten argumentiert: „You have been living in a camp, in a refugee camp, for so long time. And when you hear that they will shut it down, because they said that they will close it and make it like a jail, people getting crazy.” Er plädiert dafür, nicht über die Menschen zu urteilen, sondern deren Situation nachzuvollziehen. Überdies ist es ihm ein Anliegen, auf die Unschuld der großen Masse dort zu verweisen: „[…] you have 12.000 people running. They don’t even know why they are running. They don’t even know nothing.” Die fehlende Verantwortungsbereitschaft der EU-Staaten sowie die mangelhaften Lebensbedingungen seien die viel größere Katastrophe.

Andrea Wegener (Global Aid Network) wird ebenfalls in einem Interview auf mögliche Brandstiftung angesprochen. Sie ist der Meinung, zwischen den Schuldigen müsse differenziert werden: „Alle diese Gruppen [Anm.: Inselbewohnende, rechte Gruppen & Geflüchtete]“ könnten verantwortlich sein. So hätten Geflüchtete aufgrund der unwürdigen Zustände durch den Brand sowieso „[…] nicht mehr viel zu verlieren.“ Psychische Probleme durch Faktoren wie Perspektivlosigkeit, mangelhafte Infrastrukturen und Dreckszustände sowie das Wohnen „auf so engem Raum […] [mit] rund 50-60 ethnischen Gruppen“ hätten Konfliktpotenziale dauerhaft erhöht. Daher wäre es nicht verwunderlich, wenn eine Brandstiftung als Tat des Widerstands stattgefunden habe. Allerdings hätten auch rechte Gruppen ein gesteigertes Interesse an einer Brandstiftung, damit „Moria geschlossen wird, dass die Flüchtlinge und Migranten weggehen“. Sie konstatiert daher zwei relevante Punkte: Erstens seien nicht nur Geflüchtete als verdächtig einzustufen, sondern auch andere Interessensgruppen. Zweitens hätten Moria-Bewohnende aufgrund der Bedingungen vor Ort genug Beweggründe, um in irgendeiner Form Widerstand zu leisten. Dieser Annahme ist ein kausaler Zusammenhang inhärent: Wenn wir als handlungsfähige Menschen nichts dafür tun, dass die Geflüchteten besser leben können, dürfen wir uns über Konflikte und Ausschreitungen, wie es der Brand möglicherweise war, nicht wundern. So ergibt sich ein deutlich differenzierterer Blick auf die Schuldfrage als von Curio gezeichnet.

Diese Meinung vertreten auch die Betroffenen selbst. So spricht Raed Alabd, der “community leader” der Organisation “Moria White Helmet”, bei einer Online-Konferenz des Flüchtlingsrats Berlin in keiner Sekunde von Schuld. Stattdessen fokussiert er sich auf die Situation der Bewohnenden, wie er selbst einer ist: „So, we are dying really, we are in a stock, we are in a bad situation, bad condition, and we are dying every day.“ Er konstatiert, der Brand hätte alles zerstört. Daher hätten er und seine Bekannten auch noch das Wenige verloren, was sie hatten. Die Bedingungen nach dem Brand seien schrecklich: „So, this is very bad for everybody and we are waiting for our faith. And we are really in bad conditions.” Dies unterstreicht die Annahme von Aktivist Aldeen, dass selbst bei einer legitimen Schuldzuweisung für eine Gruppe von Geflüchteten nicht von einer kollektiven Schuld ausgegangen werden kann. Dafür sind die Bedingungen nach dem Ereignis viel zu schlecht und zu viele offenen Fragen vorhanden, wie es weitergehen soll. So wird Alabd von Vielen gefragt, wie das neue Camp aussehen wird: „If there are any services, if there are any showers, if there is any food, is there many things, if they are taking care about us, about children, about families, about endings, about sickness people.” Er versucht verzweifelt, allen seinem Statement zuhörenden Menschen die Botschaft der eigenen Notdurft mitzuteilen und Vorurteile der europäischen Debatte zu widerlegen, die auch in Curios Rede auftauchten: „So, we lose our country, we lose our families, we lose our home. So otherwise, we would not come here.” Vielsagend und zutreffend ist ein Teil seines emotionalen Abschluss-Statements, in dem er die handelnden Personen auffordert, den Menschen aus humanitären Gründen zu helfen und weniger über irrelevante Punkte zu sprechen – „This question is for the human rights: Where are you? […] You are asking about Covid-19. We are talking about ourselves. So now we are taking a shower here at the streets.” Zwar bezieht er sich hier auf Covid-19, der Aspekt der Kriminalisierung erscheint vor den katastrophalen Umständen aber ebenfalls belanglos.

Andere Geflüchtete berichten über den Brand als Ereignis des Schreckens. Der Beitrag von BBC Newsnight behandelt explizit die Brandursache und fängt dabei viele Stimmen ein, die von dem Ereignis überrascht und verängstigt waren. So wird der Brand als „terrifying“ beschrieben, der „suddenly“ anfing und von einer Hölle zu einer „burned hell“ wurde. So beschreibt der Geflüchtete Milad Ebrahimi das Brandereignis wie folgt:

„I was in my friends tent and I heard some shouting and some shooting, like a gun. We ran out of the tents and look around see that people making fires and throwing stones at the police down there. The fire started bigger and bigger. I was scared to be honest. As fast I could I collected my belongings and we decided to go to the jungle, the safest place. So, we were standing there watching the whole camp in fire. And at the morning the camps were gone, there was no Moria.”

Diesem Bericht geht hervor, dass auch Ebrahimi von dem Brand überrascht wurde und verängstigt war. Zudem bestätigt er die Vorwürfe Curios, der von Steinen schmeißenden Geflüchteten berichtete. Die Einbettung dieser Information findet allerdings deutlich anders statt: Während Curio damit die Menschen als gewaltbereit darstellt, beleuchten Ebrahimi und andere Geflüchtete auch die Gegenseite – die gewaltbereite Polizei. Yaser Taheri beschuldigt Geflüchtete der Brandstiftung aus Protest über deren aktuelle Lage (vgl. 9.08). Allerdings bringen er und der Geflüchtete Ghulam Marouf auch andere Beteiligte ins Spiel. So hätten Marouf und seine Bekannten in der Nacht des Ereignis einen Mann bei der Brandstiftung beobachtet, der englisch sprach. Ghulam kannte den Mann nicht, weshalb er zumindest kein afghanischer Geflüchteter sein könne, denn „I know everyone here and I didn’t know him.“ Die Verwicklung von externen Gruppen in das Ereignis unterstreichen Taheri und Ebrahimi mit einem Bericht über die Ankündigung eines weiteren Feuers: „Taheri: […] and they told him that tonight we are going to set the rest of the camp to fire. […] Ebrahimi: Yeah, and local people will help us. He said tonight they will come again, the local people […] and burn the rest of the camp.” So geben beide an, dass sowohl Geflüchtete als auch lokale Gruppen verantwortlich sind – sie selbst aber nicht beteiligt waren. Außerdem versuchen sie, die Intention der brandstiftenden Geflüchteten darzulegen: „Ebrahimi: They were angry, they wanted to change something. They wanted Europe to watch to see reality of Moria. […] So, the only way is to burn the camp to show that we don’t want to be here.” Diese Argumentation schließt an die Sichtweisen von Amtsberg (Grüne) und Wegener (Global Aid Network) an. Demnach werden die Geflüchteten nicht kriminalisiert, sondern handeln aufgrund des Versagens handlungsfähiger Gruppen wie den EU-Staaten.

Insgesamt wird das Brandereignis nur von Gottfried Curio aus der AfD als kriminelle Tat beschrieben, indem der Bundestagsabgeordnete die Geflüchteten kriminalisiert. Alle anderen Akteur*innen, die sich zur Schuldfrage äußern, gehen dagegen von einem komplexen Ursache-Wirkungs-Gefüge aus, dass in gewisser Weise die Taten rechtfertigt und logisch erklärt. Außerdem betonen Einige, dass nicht nur Geflüchtete direkt für die Tat verantwortlich gemacht werden können, da auch andere Gruppen Brandstiftung betrieben haben könnten. Insgesamt verweist das Thema, außer bei Curio und Seehofer, vor allem auf die menschenunwürdigen Bedingungen im Camp. Diese sind auch tatsächlich eng mit dem Brandereignis verbunden. Die meisten der betrachteten Akteur*innen versuchen also, die Situation in Verbindung mit der Schuldfrage realitätsnah und differenziert zu behandeln. Dadurch wird die Komplexität des Themas vor allem durch die Aktivist*innen und Geflüchteten sehr gut dargestellt. Die Politiker*innen nutzen die Schuldfrage dagegen vor

allem für Anschuldigungen, womit das Thema instrumentalisiert wird. Dies wird besonders bei Curio deutlich, der völlig realitätsfern argumentiert und am sichtbarsten Wahlkampf betreibt. Einzig Seehofer fällt hier heraus, kann durch seine Nicht-Erwähnung allerdings auch nicht imponieren.

4.3. Forderungen an die EU

Für viele Geflüchtete ist die EU das Ziel einer langen und gefährlichen Reise. Ein Kontinent der die Hoffnung auf ein besseres Leben, auf Sicherheit, Freiheit und Frieden symbolisiert und verspricht. Ein Kontinent ohne Krieg und die tägliche Gefahr auf unnatürliche Art und Weise zu sterben. Doch wie bereits in den oberen Abschnitten gezeigt wurde, deckt sich für viele Geflüchtete, die Erwartung nicht mit der Realität. Der breiten Öffentlichkeit wurde diese Tatsache besonderes deutlich durch den Brand in dem Flüchtlingscamp auf Moria. Auffällig ist, wie sich die Forderungen an die EU und die Belange der Geflüchteten und betroffenen Menschen, von denen unterscheiden die bereits in der EU leben und ihre Vorzüge genießen dürfen. Spannend an diesem Punkt ist auch, wie Personen mit hoher Medienpräsenz den Diskurs prägen und lenken.

Wenn man die zuvor erstellten Word-Bubbles analysiert, stellt man fest, dass vor allem Politiker*innen das Wort „europäisch“ häufig verwenden. Geflüchtete selbst und Aktivist*innen dafür weniger. Bei den Politikern sind der deutsche Innenminister Horst Seehofer, die Grünen Bundestagspolitikerin Luisa Amtsberg und der, ebenfalls für die Grünen im  Europaparlament  sitzende  Erik  Marquardt,  zu  nennen.  Obwohl  alle  drei häufig  das „europäisch“ in ihren Reden verwenden, sind diese inhaltlich sehr verschieden. Seehofer nutzt den Brand im Flüchtlingscamp auf Moria um die Erfolge und die Verdienst im humanitären Bereich besonders Deutschlands aber auch der EU in den Vordergrund zu stellen. Er schwärmt was Deutschland in Kooperation mit anderen europäischen Ländern erreicht hat und wie viele Geflüchtete aufgenommen werden und plädiert für eine „europäischen Lösung“. Seehofer fordert eine rasche Lösung vor allem für Familien und Kinder. Dass die europäische Kommission am 30.07.2020 einen „Vorschlag für die gemeinsame Asylpolitik vorlegen“ will, ist für Seehofer ein großer Erfolg. Dass für ihn „rasche Lösungen […] europäisch möglich“ sind, steht für ihn in keinem Gegensatz zu seiner vorherigen Aussage, nach welche die Kommission fünf Jahre brauchte. Er möchte ein Wideraufbau der Camps, mit Beteiligung der europäischen Kommission um höhere Standards zuzusichern als dies bisher der Fall ist. Generell sieht er das Handeln der EU und Deutschlands als überaus effektiv an. Von einer Auflösung und Evakuierung des Camps ist nicht die Rede. Bei den Flüchtlingen, welche die EU aufnehmen will, handelt es sich überwiegend um Jugendliche und unbegleitete Minderjährige. In seiner 11-minütigen Rede äußert er nur einmal eine indirekte Kritik am Vorgehen der EU, als er bekräftigt, dass die Länder nicht warten sollten „bis das letzte der 27 Mitgliedsstaaten auch noch zustimmt“. Sehr viel deutlicher in ihrer Kritik wird Luisa Amtsberg.  Sie  nutz  ihre  Redezeit  im  Bundestag  über  den  Brand  um  die  Fehler  der EU aufzuzeigen und eine Politik „im Sinne des Flüchtlingsschutzes“ anzupreisen. Nicht nur dass sie Seehofer Tatenlosigkeit vorwirft, sie bemängelt auch, dass alle „seit fünf Jahren auf eine gemeinsame Lösung“ warten und der gelobt Vorschlag der europäischen Kommission längst überfällig sei. Die EU müsse handeln „und zwar schnell“. Sie ist auch die einzige Politikerin im Bundestag, welche in dieser Debatte das offensichtliche Scheitern des Dublin-Abkommens und die unsolidarische europäische Asylpolitik anprangert. Im Gegensatz zu Seehofer ist sie von der Leistung der Mitgliedsstaaten nicht begeistert, sondern empfindet es als eine Tatenlosigkeit und wegschauen vor den Problemen. Amtsberg ist die einzige Politikerin im deutschen Bundestag die deutlich macht, dass das Land und die EU viel früher hätten handeln können, weil alle gewusst hätten, dass es nur eine Frage von Zeit sei bis etwas passiert. Auch ihr Parteikollege, Erik Marquardt, geht in dieselbe Richtung. Er wird sogar noch sehr viel deutlicher, er ist der Ansicht, die europäische Politik habe „ganz schön Scheiße gebaut“ (Marquardt, 2020) und versagt und nur ein Politikwechsel könne die Situation noch verbessern. Für ihn hat die EU darin versagt die Menschenwürde der Geflüchteten zu schützen, Griechenland zu unterstützen und den Menschen auf Moria eine bessere Lebensqualität zusichern. Wie auch für Amtsberg existiert eine europäische Lösung nicht und wird es auch nie geben. Marquardt fordert die sofortige Evakuierung des Lages, weil es sonst ein „weiteres europäisches Problem“ geben wird. Obwohl er auch Politiker ist, wendet er verschiedene stilistische Mittel an, um ein Gefühl der Verbundenheit herzustellen. Er wird sogar, im Vergleich zur Bundestagsrede, emotionaler und aufgebrachter. Spannend ist, dass er häufig von „wir“ redet. Zum Beispiel „wir müssen uns deutlich machen“, „wir können stolz sein“, er gibt den Zuhörenden dadurch das Gefühl, „wir“ sind eine Gemeinschaft und kein Abstrakter Begriff, „wir“ sind jeder einzelne von uns. Dadurch fühlt sich der Zuhörer direkt mehr angesprochen und kann sich besser mit Marquardt identifizieren. Außerdem spricht er als einziger Politiker in der ersten Person Singular über seine Gefühle. „Ich bin wütend“ und gibt seiner Rede dadurch eine persönlichere Note als andere Bundestagsabgeordnete machen. Als ein Ort der „menschlichen Kälte“ bezeichnet auch Dietmar Bartsch von den Linken die EU. Er richtet sich nicht direkt an die EU-Kommission, sondern an den deutschen Bundestag. Dieser müsse handeln, vor allem „jetzt wo Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft innehat“. Gottfried Curio von der AfD erwähnt mit keinem Wort das menschliche Leid und die erbärmlichen Zustände auf Moria. Er gibt den Geflüchteten die alleinige Schuld am Brand und beschuldigt sie den bisher so großzügig erhaltenen Schutz der EU nicht zu würdigen. Er will, dass Hilfe in den Herkunftsländern geleistet wird, damit die Menschen gar nicht erst fliehen. Außerdem fordert er die EU auf, die Außengrenzen besser zu schützen und konsequent abzuschieben, als eine Art Warnung, dass kein Geflüchteter mehr nach Deutschland und in die EU kommen will.

Die Forderungen der Politiker*innen unterschieden sich doch massiv von den der Geflüchteten selbst und von Aktivisten. Abgesehen von der AfD, erkennen die Politiker*innen zwar das Leid und die Probleme auf Moria, haben aber doch ganz andere Vorstellungen davon wie man damit umgeht. Am meisten Empathie haben die Grünen Politiker*innen Marquardt und Amtsberg mit den Geflüchteten gezeigt. Spannend ist die Tatsache, dass von den ausgewählten Politikern Marquardt der einzige war, welcher persönlich vor Ort war und das Leid und die Probleme gesehen hat und dieses vielleicht deshalb besser versteht.

Für die Nicht Regierung Organisationen (NGOs) steht das humanitäre Leid viel mehr im Mittelpunkt als für die Politier*innen. NGOs prangern die Tatsache an, dass es an Mittel der Daseinsvorsorge und Sanitäranlagen fehlt und viele Menschen nun auf der Straße leben. Die menschenunwürdigen Umstände und die Situation während und direkt nach dem Feuer, werden von NGOs detaillierter beschrieben. Und sie zeigen sehr glaubhaft das Versagen der EU und der griechischen Regierung auf. Salam Aldeen von der `Team Humanity` sagt sogar, dass es öfters zu Feuerausbrüchen gekommen sei und die griechische Regierung schon dort planlos gewesen sei und es aber auch nicht geschafft hat Pläne zu entwickeln. Obwohl die Geflüchteten durch das Militär und Polizei kontrolliert werden, war zum Zeitpunkt des Brandes niemand von staatlicher Seite anwesend um Hilfe zu leisten. Die NGOs hätten diese Aufgabe übernommen. Für Aldeen muss die EU mehr Verantwortung übernehmen und damit stimmt er mit Marquardt überein, auch die griechische Regierung unterstützen. Er fordert die EU auf, die Menschen, welche teils Jahre schon in dem Camp leben und keine Perspektive haben, aus der „Hölle“ zu holen und ihnen ein sicheres zu Hause zu geben. Die EU müsse handeln und die Menschen als dass sehen was sie sind, als Menschen. Aldeen fordert ebenso, dass eine langfristige Lösung gefunden werden muss. Ein neues Camp zu errichten sei keine Alternative. Auch Andrea Wegener von der NGO `Global Aid Network` fordert mehr Verantwortung von der EU. Diese habe viel zu lange weggeschaut und ignoriert wie groß die Probleme sind. Wegener hofft auf ein „heilsames Erschrecken“ und dass die EU-Staaten endlich anfangen die nächsten Schritte zu machen und merken, dass sie die Menschen so nicht behandeln können. Wegener hofft das die Hilfe über materielle Hilfe hinaus gehen.

Für die Geflüchteten ist der Brand eine Chance auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen. Waren sie davor für die breite Öffentlichkeit kaum sichtbar, wurde ihnen durch den Brand nun erstmalig eine großen Medienpräsenz zuteil. Im Vergleich zu den Aktivist*innen erreichen die Geflüchteten eine persönlichere Ebene. Sie sprechen teilweise ihr persönliches Schicksal und ihre Erfahrungen an. Für viele sei es ein Wunder und ein Hoffnungsschimmer gewesen als sie die Insel erreichten, doch inzwischen sei es mehr ein Gefängnis. Die Zustände in dem Lager waren unerträglich. Viele hätten Freude empfunden endlich in Europa angekommen zu sein, ein Europa von dem immer gesagt wird, dass die Menschenrechte eingehalten werden, doch das macht die EU nicht. Der Geflüchtete Raed Alabd erzählt von seinen Erfahrungen und was er sich wünschen würde. Für viele Geflüchtete sei Moria kein sichererer Ort und sie möchten aufs Festland. Auch wenn zum Beispiel AfD Politiker Curio behauptet die Geflüchteten seien Wirtschaftsmigranten, so sind die meisten vor Krieg und Elend geflohen. Viele fordern die EU auf, ihnen Sicherheit zu bieten und zu helfen. Man könne nicht nur Menschenrechte einfordern und sie dann selbst nicht umsetzen. Viele Geflüchteten haben sehr lange Asylverfahren. Die Dauer und die Ungewissheit sind schwer zu ertragen und führen zu Spannungen untereinander. Die Perspektivlosigkeit geht so weit, dass eine Rückkehr in die Heimat „to die there“ um dort zu sterben bessere Aussichten sind als in Moria zu bleiben. Die EU-Staaten müssen den Geflüchteten mehr Respekt entgegenbringen und die Asylanträge schneller bearbeiten, damit die Menschen nicht so lange im Ungewissen sind.

Im Vergleich zu den Politikern fordern die Geflüchtete primär keine materiellen Dinge, sondern zum Beispiel Würde, Sicherheit und Respekt. Ein weiteres Camp sei für sie nur ein weiteres Gefängnis und stelle keine Besserung dar. Dies steht in einem starken Kontrast zu Seehofers Forderung nach einem neuen Camp mit EU-Unterstützung. Seehofer fordert eine europäische Lösung, die Grünen Amtsberg und Marquardt glauben jedoch nicht an diese und fordern direkte Unterstützung für die Menschen in den Camps und die Evakuierung dieser. Ähnlich sieht dies auch die Linke mit Herrn Bartsch welcher die EU auffordert mehr Empathie zu zeigen. Einzig und alleine die AfD mit Herrn Curio fordert eine bessere Grenzkontrolle und konsequentere Abschiebung. Für die NGOs steht besonders die Verantwortung, welche die EU übernehmen soll im Vordergrund.

Auch bei der Art und Weise wie diese Forderungen gestellt werden gibt es große Unterschiede. Die Politiker*innen, Marquardt ausgeschlossen, haben sich während einer Bundestagsdebatte dazu geäußert. In der Regel sind die Redner im Bundestag an ihr vorbereitetes Manuskript gebunden und lässt wenig Raum für eine spontane Aussage oder einen Gefühlsausbruch. Deutlich emotionaler ist Marquardt auf seinem Video gewesen, welches er über seine Instagramseite teilte. Das der Text nicht vorgeschrieben war, sorgt zwar für kurze Hänger, lässt aber viel mehr Gefühlsregungen und eine gewisse Spontanität zu. Dennoch wirkt er kontrolliert und routiniert. Die NGOs haben beide jeweils ein Interview gegeben. Sie konnten frei von ihren Eindrücken erzählen. Es waren spannende Fragen und es bestand keine zeitliche Begrenzung wie im Bundestag. Es wurden außerdem Bilder nach dem Brand gezeigt, welche den Zuschauern ein Gefühl für die Dimension und das Ausmaß der Katastrophe gaben. Die Zuschauer bekamen eine Vorstellung von dem Gesprochenen und die Bilder machten das Ereignis noch realer. Keine einzige Rede im Bundestag konnte ein Gefühl erzeugen wie es beim Anschauen der Bilder erzeugt wird. Auch für die Geflüchtete sind die Bilder ein wertvolles Mittel. Teilweise mit dem Handy aufgenommen, verwackelt aber nur wenige Meter neben dem Feuer bekommt der Zuschauer einen tiefen Einblick in die Situation im Camp. Die Bilder sind sehr authentisch und teilweise kann man die Geflüchteten auch noch reden hören. Es gibt wenige offizielle Videos und Bilder, welche vom Inneren des Camps während des Brandes gemacht wurden, daher sind die Videos der Geflüchteten die beste Chance zu sehen was im Camp geschah. Durch diese Videos, bekommen die Forderungen der Geflüchteten an die EU eine ganz andere emotionale Gewichtung als die eines Politikers im sterilen Bundestag.

X. Appendix

Alabd, Raed (2020): Was kommt nach Moria? Das Ende rechtskonformer EU Flüchtlingspolitik – Online-Pressekonferenz. YouTube, Flüchtlingsrat Berlin (Hrsg., 17.09.2020).                Online                                                                               unter: https://www.youtube.com/watch?v=_ikIJ8MlJnA&feature=emb_title             [zuletzt aufgerufen am 23.01.21].

Ebrahimi, Milad; Taheri, Yaser; Marouf, Ghulam (2020): Who startet the fire at Europe’s largest refugee camp? – BBC Newsnight. YouTube, BBC News (Hrsg.) Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=_ikIJ8MlJnA&feature=emb_title                [zuletzt aufgerufen am 23.01.21].

Aldeen, Salam (2020): Fresh fires at Greece’s largest refugee camp Moria | DW News. YouTube,    DW                               News            (Hrsg.).            Online                 unter: https://www.youtube.com/watch?v=egj0k4e8ZDA [online, zuletzt aufgerufen am 14.03.2021]. 2:45min-6:40min.

Wegener, Andrea (2020): WELT INTERVIEW: Global Aid Network – „Moria wie wir es kennen, gibt’s nicht mehr“. Youtube, WELT Nachrichtensender (Hrsg). Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=HIXMIdjtiJU [online, zuletzt aufgerufen am 14.03.2021].

Politiker*innen

Seehofer, Horst (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 04:10min-15.10min.

Amtsberg, Luisa (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 34:50min-40:10min.

Marquardt,     Erik     (2020):     Ich     bin     wütend.     #moria.     Instagram.     Online     unter: https://www.instagram.com/tv/CE9baAciECx/?utm_source=ig_web_copy_link [zuletzt aufgerufen am 14.03.2021].

Bartsch, Dietmar (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 0:50min-3:41min.

Curio, Gottfried (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 16:05min-20:00min.

X. Auswahl der Videos

Das Videomaterial für die Akteursgruppe „Geflüchtete“ wurde mit Hilfe einer YouTube– Recherche ausgewählt. In dieser Arbeit zitiert werden die Videos mit den Titeln „Was kommt nach Moria? Das Ende rechtskonformer EU-Flüchtlingspolitik – Online-Pressekonferenz“[1] (Video 1) und „Lesbos: Who started the fire at Europe’s largest refugee camp? – BBC Newsnight“[2] (Video 2). Beide Videos sind englischsprachig, wobei Video 1 eine Pressekonferenz des Flüchtlingsrats Berlin nach dem Brandereignis auf der Insel ist und am 17.09.2020 auf YouTube hochgeladen wurde. Video 2 dagegen ist ein journalistischer Beitrag von BBC News, in dem mit Hilfe der Perspektive von Geflüchteten möglichen Brandursachen auf den Grund gegangen werden soll. Video 2 wurde am 17.10.2020 auf YouTube veröffentlicht, beinhaltet aber ebenfalls Videomaterial, das unmittelbar nach dem Brandereignis aufgenommen wurde. Ausschlaggebend für die Auswahl der beiden Videos war das Kriterium, dass Geflüchtete einen Redeanteil von mindestens 2 Minuten am Stück besitzen müssen. Dies ist entscheidend, da Videos aus der Perspektive von Geflüchteten, die sich ausschließlich mit dem Brandereignis beschäftigen sowie unmittelbar danach gedreht wurden, zumeist nur kurze Statements von Geflüchteten beinhalten. Um das Material vergleichbar zu gestalten, war uns aber ein zusammenhängender Beitrag von Einzelpersonen auch in dieser Akteursgruppe wichtig.

Aus den beiden Beiträgen sind drei Einzelpersonen und ihre Worte relevant. In Video 1 spricht Raed Alabd, der als (syrischer) Geflüchteter sowie, bis zum Brand, Bewohner von Moria über die aktuelle Situation spricht, vor allem aber über diese emotional aus seiner Perspektive berichtet. Video 2 beinhaltet mehr Interview-Passagen, in denen vor allem die (afghanischen) Geflüchteten Yaser Taheri und Milad Ebrahimi. zu Wort kommen. Beide sprechen über ihren individuellen Werdegang, besonders über die Bedingungen im Camp und auf der Insel, der afghanischen Community sowie Zusammenhänge mit dem Brandereignis.

Das Videomaterial beider Quellen wurde unmittelbar nach dem Brandereignis gedreht, womit die Prämisse der zeitlichen Eingrenzung eingehalten wird. Die Redebeiträge können zudem die Perspektiven von drei Geflüchteten aus zwei großen Communitys im Camp Moria wiedergeben. In beiden Videos wurden die Textpassagen im Anschluss an die Auswahl der Geflüchteten vollständig transkribiert. So kann das Material in der Folge für die Analyse genutzt werden.

X. Videos von Aktivist*innen

Bei der Suche nach Aktivist*innen Videos, die zum unmittelbaren Zeitpunkt des Brandes bis einer Woche danach entstanden sind, wurden zunächst Websites und Social-Media Kanäle entsprechender Hilfsorganisationen und NGOs vor Ort gescreent. Auffällig war, dass hier relativ wenig zu finden war. Möglichweise lässt sich diese Lücke damit erklären, dass die Zustände vor Ort wenig Raum für mediale Öffentlichkeitsarbeit ließen und Volunteers und andere Helfer*innen von der humanitären Notlage auf Lesbos direkt betroffen waren. Bei einer anknüpfenden YouTube-Recherche fanden sich schlussendlich zwei Interviews, welche die Brennthemen Kriminalisierung, Menschenrechte, sowie Forderungen gegenüber der EU, behandelten. Ausgewählt wurde ein deutschsprachiges Interview der WELT mit Andrea Wegener von der Internationalen Hilfsorganisation Global Aid Network: „Moria wie wir es kennen, gibt‘s nicht mehr“ (Video 1). Frau Wegener befand sich zum Zeitpunkt des Brandes, sowie schon mindestens einige Monate davor selbst auf Lesbos und kann durch ihren persönlichen und engen Kontakt mit den Geflüchteten, eindrücklich die Situation im Camp sowohl vor als auch unmittelbar nach des Brandes schildern. Außerdem wurde ihr die Frage nach den Schuldigen für den Brand gestellt, was unter dem Gesichtspunkt der Schuldzuweisung und Kriminalisierung von Geflüchteten, spannend ist.

Ein weiteres Interview, das final ausgewählt wurde, stammt von DW News, einem englischsprachigen Berichterstatter, welcher der Deutschen Welle, einem Teil des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, angehört. Das Video trägt den Titel: „Fresh fires at Greece’s largest refugee camp Moria“ (Video 2) und wurde einen Tag nach dem Brand-Ereignis online gestellt. Interviewt wird hier ab 2:46min Salam Aldeen, von der Hilfsorganisation Team Humanity mit Sitz in Berlin. Herr Aldeen organisiert das Treiben der NGO in Moria, war selbst schon einige Male vor Ort, berichtet über den Brand allerdings nur aus zweiter Hand über die Erfahrungen seiner Kollegen. Auch wenn der Interviewte zum Zeitpunkt des Brandes selbst nicht vor Ort war, so war es uns wichtig die Stimme einer NGO-Führungskraft miteinfließen zu lassen, die vielleicht noch einmal andere Aspekte hinter den Kulissen einer Organisation berücksichtigt (finanzielle Lage, Organisatorisches, Unterstützung von Regierenden etc.). Sehr emotional und Zuhörer-orientiert berichtet Herr Aldeen über die Situation im Camp, über die Lage der Menschen vor Ort und thematisiert ebenfalls die Schuldfrage. Als Organisator der NGO Team Humanity wendet er sich auch an die EU und kritisiert die mangelnde Präsenz jeglicher staatlicher Akteure.

Das letzte Video, das in dieser Akteursgruppe ausgewählt wurde, fällt etwas aus der Reihe. Erik Marquardt, der in seiner Selbstaufnahme vom 10.09.2020 einen über zweiminütigen

Monolog zur Situation in Moria und das Scheitern der Politik hält, ist vielen in erster Linie als Grünen-Politiker und EU-Parlaments-Abgeordneter bekannt. Ohne lang zu überlegen, kann man ihn jedoch vor allen Dingen auch als Aktivisten bezeichnen. Erik Marquardt ist Fotojournalist, war als Freiwilliger bei einer Seenotrettung der Sea-Eye auf dem Mittelmeer und engagiert sich seit Jahren in Deutschland, auch neben seiner Rolle als Politiker, in der Migrationspolitik. Er startete das Projekt „#Civilfleet“, das eine Spendenaktion für zivile Seenotrettung war und rief gemeinsam mit anderen Aktivist*innen im Jahr 2020 die „Leave no one behind“ Kampagne ins Leben, deren Hilfe sich explizit an die Menschen im Camp Moria auf Lesbos richtet. Nicht zuletzt lebte er eine Zeit lang auf Lesbos und kennt die Zustände in Moria gut. Das Video stellte Marquart auf seinen Instagram-Account, ein Statement zur Situation in Moria unmittelbar in den Tagen nach dem Brand. Es ist zu vermuten, dass das Video aus einer Emotion heraus entstand. Gleichzeitig ist bei Selbstaufnahmen davon auszugehen, dass der Gefilmte seine Worte bewusst auswählt und diese dann im nächsten Schritt bewusst veröffentlicht. Wir möchten Eric Marquart an dieser Stelle nur als Aktivisten betrachten, trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Gegenüberstellung seines Statements zu denen seiner Politiker-Kolleg*innen, hoch spannend ist.

X. Videos der Politiker*innen

Für die Politiker wurden zur Videoanalyse die Bundestagsdebatte von dem 11.09.2020 ausgewählt. Diese Bundestagsdebatte ist die erste nach dem Brand im Flüchtlingscamp Moria gewesen und zeigt die ersten Reaktionen der verschiedenen Parteien. Aufgrund der begrenzten Redezeit im Bundestag, sind die Inhalte der Reden gut überlegt und dem Gesagten wird eine hohe Bedeutung zugesprochen. Es wurden die Reden des AfD Politikers Gottfried Curios, des Linken Politikers Dietmar Bartsch, der Grünen Politikerin Luisa Amtsberg und von Horst Seehofer welcher als Innenminister für die Bundesregierung spricht, als Untersuchungssequenz ausgewählt. Die Politiker*innen decken ein breites Spektrum an unterschiedlichen Politischen Positionen ab und repräsentieren einen großen Teil der Bevölkerung Deutschlands. Wir sind daran interessiert, wie die unterschiedlichen Parteien den Brand von Moria für sich instrumentalisieren und wie sich die Bundesregierung, vertreten durch Seehofer, präsentiert. Bewusst wurde darauf verzichtet, weitere Parteien und deren Politiker*innen mit in die Untersuchung auf zu nehmen, weil deren Wirkungsgrad – bei kleinen Parteien – zu gering erscheint oder weil sich die Äußerungen, das Auftreten oder der Inhalte nicht sonderlich von den ausgewählten Beiträgen abhebt.

Videoverzeichnis

Alabd, Raed (2020): Was kommt nach Moria? Das Ende rechtskonformer EU Flüchtlingspolitik – Online-Pressekonferenz. YouTube, Flüchtlingsrat Berlin (Hrsg., 17.09.2020).                Online                                                                               unter: https://www.youtube.com/watch?v=_ikIJ8MlJnA&feature=emb_title             [zuletzt aufgerufen am 23.01.21].

Aldeen, Salam (2020): Fresh fires at Greece’s largest refugee camp Moria | DW News. YouTube,    DW                               News            (Hrsg.).            Online                 unter: https://www.youtube.com/watch?v=egj0k4e8ZDA [zuletzt aufgerufen am 14.03.2021]. 2:45min-6:40min.

Amtsberg, Luisa (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 34:50min-40:10min.

Bartsch, Dietmar (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 0:50min-3:41min.

Curio, Gottfried (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 16:05min-20:00min.

Ebrahimi, Milad; Taheri, Yaser; Marouf, Ghulam (2020): Who startet the fire at Europe’s largest refugee camp? – BBC Newsnight. YouTube, BBC News (Hrsg.) Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=_ikIJ8MlJnA&feature=emb_title                [zuletzt aufgerufen am 23.01.21].

Marquardt,    Erik     (2020):     Ich     bin     wütend.     #moria.     Instagram.     Online     unter: https://www.instagram.com/tv/CE9baAciECx/?utm_source=ig_web_copy_link [zuletzt aufgerufen am 14.03.2021].

Seehofer, Horst (2020): Moria: Bundestag debattiert über den Brand in Flüchtlingslager. YouTube,                           Tagesschau           (Hrsg.           11.09.2020).           Online           unter: https://www.youtube.com/watch?v=5KsC8uKzvZc [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]. 04:10min-15.10min.

Wegener, Andrea (2020): WELT INTERVIEW: Global Aid Network – „Moria wie wir es kennen, gibt’s nicht mehr“. Youtube, WELT Nachrichtensender (Hrsg). Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=HIXMIdjtiJU [zuletzt aufgerufen am 14.03.2021].

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